Eine Verengung der Halsschlagader kann durch Vitamin-D-Mangel hervorgerufen werden
Die Halsschlagader versorgt das Gehirn mit Blut, und eine Verengung kann zu schwerwiegenden, potenziell lebensbedrohlichen Schlaganfällen führen. Einer Studie zufolge, die an mittelalten Teilnehmern mit Bluthochdruck durchgeführt wurde, erhöht ein Vitamin-D-Mangel das Risiko für Verkalkungen und Verengungen der Halsschlagader.
Die Verengung der Halsschlagader (Arteria carotis) wird durch Atherosklerose verursacht, die das Risiko für Blutgerinnsel erhöht, die mit dem Blutstrom ins Gehirn gelangen können. Die Symptome hängen davon ab, an welcher Stelle im Gehirn das Gerinnsel auftritt. Liegt eine Atherosklerose der Halsschlagader vor, besteht zudem ein erhebliches Risiko für Atherosklerose im Herzen, in den Beinen oder in anderen Bereichen. Atherosklerose, häufig in Verbindung mit Bluthochdruck, ist die führende Todesursache in der westlichen Welt.
Es ist allgemein bekannt, dass Ernährung und Lebensstil einen maßgeblichen Einfluss auf die Entstehung von Atherosklerose und Bluthochdruck haben. Ebenso ist bekannt, dass niedrige Vitamin-D-Spiegel im Blut mit arterieller Steifigkeit und Bluthochdruck in Zusammenhang stehen.
Ziel der neuen Studie war es daher, zu untersuchen, ob die Vitamin-D-Konzentration im Blut mit subklinischen Verengungen der Halsschlagader bei Patienten mit Bluthochdruck assoziiert ist. In die Studie wurden insgesamt 223 Teilnehmer aufgenommen, die unter Bluthochdruck litten, jedoch keine Anzeichen von Diabetes oder anderen Herz-Kreislauf- bzw. Nierenerkrankungen aufwiesen.
Die Forscher maßen die Vitamin-D und Parathormonwerte (PTH) im Blut der Teilnehmer, wobei PTH eine Schlüsselrolle im Kalziumhaushalt spielt. Zudem wurde die Steifigkeit und das Ausmaß der Atherosklerose in der Halsschlagader erfasst.
Die Teilnehmer wurden je nach Vitamin-D-Status in drei Gruppen eingeteilt: normal, unzureichend oder mangelhaft. Es zeigte sich, dass 59 % der Teilnehmer einen Vitamin-D-Mangel in unterschiedlichem Ausmaß aufwiesen. Weiterhin wurde festgestellt, dass niedrige Vitamin-D-Spiegel im Blut signifikant mit folgenden Faktoren in Verbindung stehen:
- Höheres Alter
- Länger bestehender Bluthochdruck
- Erhöhte Nüchtern-Blutzucker- und Insulinwerte, wie sie im Vorstadium von Typ-2-Diabetes auftreten
- Höhere PTH-Werte
- Fortgeschrittene Atherosklerose der Halsschlagader
- Zunehmende arterielle Steifigkeit der Halsschlagader
Die Forscher kommen daher zu dem Schluss, dass Vitamin-D-Mangel das Risiko für subklinische Verengungen der Halsschlagader bei mittelalten Patienten mit Bluthochdruck erhöht, die zudem für schwerwiegendere Herz-Kreislauf-Erkrankungen prädisponiert sind. Die neue Studie wurde in Nutrients veröffentlicht und stimmt mit früheren Untersuchungen überein, die gezeigt haben, dass Vitamin D vielfältige positive Effekte auf das Herz-Kreislauf-System ausübt.
Wie entsteht Atherosklerose – und wie schützt Vitamin D?
Das oft verteufelte Cholesterin ist eine lebenswichtige Substanz, die an Zellmembranen, Nervenzellausläufern (Myelin) sowie an der Bildung von Vitamin D, Steroidhormonen und Stresshormonen beteiligt ist. Die Leber produziert normalerweise den Großteil des Cholesterins, das der Körper benötigt.
Cholesterin scheint erst dann gesundheitsschädlich zu werden, wenn es oxidativem Stress ausgesetzt ist. Dabei handelt es sich um einen Zustand, bei dem potenziell schädliche freie Radikale die schützenden Antioxidantien überwiegen. Freie Radikale entstehen bei verschiedenen Stoffwechselprozessen; ihre Menge steigt jedoch erheblich durch Rauchen, Alterungsprozesse, Vergiftungen und chronische Erkrankungen, die häufig mit chronischen Entzündungen einhergehen.
Unter oxidativem Stress können freie Radikale unkontrolliert Cholesterin angreifen, sodass es oxidiert („ranzig“ wird) und seine vielfältigen Funktionen nicht mehr erfüllen kann. Stattdessen wird das oxidierte Cholesterin von bestimmten weißen Blutkörperchen aufgenommen, die sich daraufhin als Schaumzellen in den Gefäßwänden ablagern. In der Folge bildet sich ein Kalziumgerüst, das zur Entstehung von Atherosklerose beiträgt und gleichzeitig die Gefäßsteifigkeit erhöht.
Es gibt Hinweise darauf, dass Vitamin D oxidativem Stress entgegenwirkt, indem es chronische Entzündungen reguliert, wie sie bei Alterung, Bluthochdruck und anderen chronischen Erkrankungen auftreten. Zudem kann Vitamin D die Gefäßspannung über das sogenannte RAS-System (Renin-Angiotensin-Aldosteron) steuern. Darüber hinaus trägt Vitamin D zur Regulation von Insulin- und Blutzuckerspiegeln bei, was wichtig ist, da erhöhte Werte das Risiko für Insulinresistenz, Bluthochdruck und andere prädiabetische Zustände steigern.
Diese schützende Wirkung setzt jedoch voraus, dass der Vitamin-D-Spiegel im Blut optimal ist und über 75 nmol pro Liter liegt.
Quellen:
Luca Bulfone et al. Subclinical Carotid Disease Is Associated with Low Serum Vitamin D in Nondiabetic Middle-Aged Hypertensive Patients. Nutrients, 2025
Anas Raed et al. Dose responses of vitamin D3 supplementation on arterial stiffness in overweight African Americans: A placebo controlled randomized trial. PLOS ONE, 2017
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