Migräne kann mit wenigen gezielten Nahrungsergänzungsmitteln vorgebeugt oder gelindert werden
Migräne zählt zu den am weitesten verbreiteten neurologischen Erkrankungen – und zunehmend zeigt sich, dass Ernährung und Lebensstil eine bedeutende Rolle spielen. Die Einnahme von Magnesium, Vitamin D, Q10, Vitamin B2, Alpha-Liponsäure und Probiotika kann Migräne lindern oder die Anzahl der Migränetage reduzieren. Das geht aus einer neuen Metaanalyse hervor, die in der Fachzeitschrift Neurological Sciences veröffentlicht wurde. Entscheidend ist außerdem, festzustellen, welche Nährstoffe dem jeweiligen Migränepatienten fehlen, um gezielt die Blutwerte zu optimieren.
Es gibt verschiedene Theorien dazu, was Migräneanfälle auslöst – etwa abrupte Veränderungen der elektrischen Aktivität im Gehirn, oxidativer Stress, Veränderungen der Blutgefäße, Unterzuckerung, Entzündungen, Störungen in den Mitochondrien (den „Kraftwerken der Zellen“), die Freisetzung von Neurotransmittern wie Glutamat sowie Elektrolytstörungen. Während eines Migräneanfalls wird außerdem vermehrt Stickstoffmonoxid (NO) gebildet, ein Signalmolekül, das die Blutgefäße erweitert. Da Frauen häufiger von Migräne betroffen sind als Männer, spielt auch der Hormonhaushalt eine Rolle.
Obwohl die Ernährung entscheidend ist, waren die Studienergebnisse zur Wirksamkeit von Nahrungsergänzungsmitteln bei der Migräneprävention bisher uneinheitlich. Gründe dafür könnten sein: Supplementierung ohne tatsächlichen Nährstoffmangel, zu geringe Dosierungen oder minderwertige Präparate, die den Nährstoffgehalt im Blut nicht wirksam verbessern konnten. Ziel der neuen systematischen Übersicht und Metaanalyse war daher die Untersuchung des Einflusses verschiedener Nahrungsergänzungsmittel auf die Anzahl monatlicher Migräneanfälle sowie auf Dauer und Schwere der Anfälle.
Insgesamt wurden 22 relevante randomisierte, placebokontrollierte Studien analysiert. Die Ergebnisse zeigen, dass die Supplementierung mit Magnesium, Vitamin D, Q10, Vitamin B2, Alpha-Liponsäure und Probiotika Migräne lindern oder die Häufigkeit der Migränetage über unterschiedliche Mechanismen reduzieren kann:
Magnesium
Die positiven Effekte von Magnesium beruhen vermutlich auf seiner Schlüsselrolle bei der Regulation von Nervenimpulsen, der Muskelentspannung und dem Gleichgewicht von Elektrolyten und Calcium. Magnesium schützt außerdem die Zellen vor Überreizung durch den Neurotransmitter Glutamat. Es wirkt sich auch auf den Östrogenhaushalt sowie die Aktivierung von Vitamin D aus.
Magnesium ist hauptsächlich in ballaststoffreichen Lebensmitteln und grünem Blattgemüse enthalten. Allerdings tragen unausgewogene Ernährung, hochverarbeitete Lebensmittel, Stress, Typ-2-Diabetes und bestimmte Medikamente zur weiten Verbreitung von Magnesiummangel bei.
Zur Nahrungsergänzung wird empfohlen, 200 mg Magnesium zu den Mahlzeiten ein- bis dreimal täglich einzunehmen. Wichtig ist die Wahl einer organischen, gut bioverfügbaren Magnesiumverbindung – Magnesiumoxid sollte vermieden werden, da es überwiegend abführend wirkt.
Vitamin D
Die meisten Körper- und Gehirnzellen besitzen Vitamin-D-Rezeptoren, die etwa 10 % unserer Gene und viele Stoffwechselprozesse regulieren. Man geht davon aus, dass Vitamin D Migräne entgegenwirkt, indem es Entzündungen reguliert und die Produktion von Stickstoffmonoxid (NO) senkt. Außerdem beeinflusst Vitamin D die Ausschüttung von Neurotransmittern wie Serotonin und Dopamin, die mit Migräne in Zusammenhang stehen. Auch seine Rolle bei der Magnesiumaufnahme ist relevant.
Vitamin-D-Mangel ist weit verbreitet – vor allem wegen unzureichender Sonnenlichtexposition, da die körpereigene Bildung nur in den Sommermonaten bei hohem Sonnenstand möglich ist. Alter, dunkle Hautfarbe, Übergewicht, Diabetes und genetische Faktoren erschweren ebenfalls die Bildung oder Umwandlung in die aktive Form. Vitamin-D-Präparate enthalten eine Vorstufe der aktiven Steroidform.
Die offiziellen Empfehlungen zur Vitamin-D-Zufuhr sind häufig zu niedrig, um optimale Blutspiegel zu erreichen – der individuelle Bedarf variiert stark. Studien deuten darauf hin, dass 25–100 Mikrogramm Vitamin D täglich einen positiven Effekt haben können. Präparate in Kapselform, bei denen Vitamin D an Öl gebunden ist, werden besonders gut aufgenommen.
Q10 (Coenzym Q10)
Q10 ist ein lebenswichtiges Coenzym für die zelluläre Energieproduktion in den Mitochondrien. Es wirkt außerdem als starkes Antioxidans und schützt Zellen und Gewebe vor oxidativem Stress.
Zwar kann der Körper Q10 selbst bilden, doch mit zunehmendem Alter nimmt die körpereigene Produktion ab. Auch cholesterinsenkende Statine und Alendronat (zur Behandlung von Osteoporose) hemmen die körpereigene Q10-Synthese – ebenso wie mitochondriale Erkrankungen.
Q10 ist besonders bei Migränepatienten mit mitochondrialer Dysfunktion wirksam. In diesen Fällen können relativ hohe Dosen von ca. 100 mg dreimal täglich erforderlich sein. Empfehlenswert sind Q10-Präparate in pharmazeutischer Qualität mit nachgewiesener Bioverfügbarkeit.
Vitamin B2 (Riboflavin)
Vitamin B2 ist essenziell für den Energiestoffwechsel, das Nervensystem und die Gehirnfunktion.
Es kommt vor allem in Innereien wie Leber, Vollkornprodukten, Eiern, Milchprodukten, Nüssen und Gemüse vor. Man geht davon aus, dass Vitamin B2 Migräne lindert, indem es die Energieversorgung des Gehirns verbessert. Eine Versuchsdosis von bis zu 400 mg täglich über drei Monate kann zeigen, ob eine Wirkung eintritt.
Alpha-Liponsäure (ALA)
Alpha-Liponsäure ist in allen Zellen vorhanden, beteiligt sich am Energiestoffwechsel und wirkt als starkes Antioxidans.
ALA kann Migräne lindern und die Behandlung unterstützen, indem sie die Funktion der Mitochondrien und der Endothelzellen (Gefäßinnenwand) verbessert.
Placebokontrollierte Studien verwendeten bis zu 300 mg ALA zweimal täglich über zwölf Wochen. Diese Dosierungen liegen deutlich über den allgemeinen Empfehlungen.
Probiotika
Probiotika umfassen Milchsäurebakterien, Bifidobakterien und andere nützliche Mikroorganismen, die eine gesunde Darmflora fördern.
Ein ausgeglichenes Mikrobiom ist nicht nur für die Verdauung entscheidend, sondern beeinflusst auch die Produktion von Neurotransmittern wie Serotonin. Es besteht ein enger Zusammenhang zwischen Darm, Nervensystem, Hormonsystem und Immunsystem. Die Funktion dieser sogenannten Darm-Hirn-Achse spielt eine zentrale Rolle für die Gesundheit.
Ein Ungleichgewicht der Darmflora entsteht oft durch schlechte Ernährung, Antibiotika, Schmerzmittel oder Stress. Es kann auch zum Leaky-Gut-Syndrom führen, bei dem unverdaute Eiweiße (z. B. Gluten) und andere Partikel in den Blutkreislauf gelangen und entzündliche Reaktionen auslösen – mögliche Auslöser von Migräne.
Probiotische Präparate können helfen, das Gleichgewicht der Darmflora wiederherzustellen und so Migräne vorzubeugen.
Selen
Auch eine ergänzende Einnahme von Selen kann bei der Vorbeugung und Behandlung von Migräne hilfreich sein. Eine placebokontrollierte Studie, veröffentlicht in Frontiers in Nutrition, zeigte, dass Selen die Häufigkeit und Schwere von Migräneanfällen reduzieren kann.
In der Studie nahmen die Teilnehmer zwölf Wochen lang täglich 200 Mikrogramm Selen ein. Die positiven Effekte werden vor allem auf die starke antioxidative Wirkung von Selen zurückgeführt.
Quellen:
Mahtab Karami Talandashti et al. Effects of selected dietary supplements on migraine prophylaxis: A systematic review and dose-response meta-analysis of randomized controlled trials. Neurological Sciences, 2025
Izabela Domitrz & Joanna Cegielska. Magnesium is an important factor in the pathogenesis and treatment of migraine – From theory to practice. Nutrients, 29. Januar 2022
Endocrine Center: The Link Between Headaches and Vitamin D Deficiency
Arghavan Balali et al. The effect of selenium supplementation on oxidative stress, clinical and physiological symptoms in patients with migraine: A double-blinded randomized clinical trial. Frontiers in Nutrition, 2024
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