Können Sie Ihre Vitamine und Q10 aktivieren und verwerten?
Mehrere B-Vitamine müssen zunächst in andere Formen umgewandelt werden, bevor sie für eine Vielzahl von Funktionen aktiviert werden können. Enzymdefekte, Alkohol, Medikamente und Alterungsprozesse können diese Umwandlung jedoch erschweren. Auch die Form von Vitamin D, die wir durch Sonnenlicht oder Nahrungsergänzungsmittel aufnehmen, ist inaktiv – und Faktoren wie Übergewicht, Alter und ein Mangel an bestimmten Mineralstoffen können die Umwandlung in die aktive Form behindern. Die Umwandlung von Vitamin K1 in Vitamin K2 erfordert eine gut funktionierende Darmflora. Für die optimale Verwertung von Q10 ist eine spezielle Selenverbindung notwendig. Eine mangelnde Fähigkeit, Vitamine und Q10 zu aktivieren, kann daher zu chronischer Müdigkeit, vielen ernsthaften Krankheiten und im schlimmsten Fall zu einem frühen Tod führen.
Es ist wichtig, dass Nährstoffe aus der Ernährung und aus Nahrungsergänzungsmitteln optimal verwertet werden können. Dafür sind zwei Dinge entscheidend. Erstens ausreichend Magensäure und eine gute Aufnahme, damit die Nährstoffe in den Blutkreislauf und zu den Zellen gelangen können. Zweitens müssen die Nährstoffe in biologisch aktiven Formen vorliegen. Das erfordert oft spezielle Enzymprozesse und weitere Stoffwechselvorgänge, wie im Folgenden erläutert:
Mehrere B-Vitamine müssen methyliert werden
Methylierung ist ein komplexer chemischer Prozess innerhalb der Zellphysiologie, bei dem eine Methylgruppe (CH3-) in ein anderes Molekül eingebaut wird. Die Methylierung von DNA- und RNA-Molekülen ist entscheidend für die Aktivierung von Genen und Proteinen. Auch zur Aktivierung mehrerer B-Vitamine ist die Methylierung notwendig.
Vitamin B6 (Pyridoxin) wird durch Methylierung in seine aktive Form Pyridoxal-5-Phosphat (P-5-P) umgewandelt, die im Blut messbar ist. Vitamin B9 liegt in Lebensmitteln als Folat vor; in Nahrungsergänzungsmitteln findet sich häufig die synthetische Form Folsäure. Beide Formen müssen durch das Enzym MTHFR (Methylen-Tetrahydrofolat-Reduktase) zu Methylfolat aktiviert werden, bevor die Zellen sie nutzen können.
Vitamin B12 (Cobalamin) kommt in der Ernährung meist als Hydroxycobalamin vor, in Nahrungsergänzungsmitteln häufig als Cyanocobalamin, eine stabilere Form. Der Körper wandelt diese in Methylcobalamin (in Geweben) und 5'-Desoxyadenosylcobalamin (in der Leber gespeichert) um.
Genetische Faktoren wie ein Mangel an MTHFR können die Methylierung dieser Vitamine stören, ebenso Alterungsprozesse, Rauchen, Alkoholmissbrauch, Leberschäden und viele Medikamente.
Ein Mangel an diesen B-Vitaminen durch ungesunde Ernährung und schlechte Verwertung kann zu Müdigkeit, Blutarmut, neurologischen Störungen, Infektionen und Haarausfall führen. In der Schwangerschaft kann ein B9-Mangel zu Neuralrohrdefekten und Fehlgeburten führen.
Die Vitamine B6, B9 und B12 sind auch an der Umwandlung der Aminosäure Homocystein beteiligt. Ein zu hoher Homocysteinspiegel erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Blutgerinnsel, Schlaganfälle, Entzündungen und Demenz (z. B. Alzheimer).
Eine schlechte Methylierungsfähigkeit erhöht automatisch den Bedarf an diesen Vitaminen. Daher sind Nahrungsergänzungsmittel mit bereits methylierten Formen wie Methylcobalamin besonders sinnvoll. Lutschtabletten mit Methylcobalamin ermöglichen zudem eine gute Aufnahme über die Mundschleimhaut.
Vitamin B3 (Niacin) muss zu NAD und NADH aktiviert werden
Niacin ist ein Sammelbegriff für Nicotinsäure und Nicotinamid, wie sie in Nahrung und Ergänzungsmitteln vorkommen. Es ist wichtig für die zelluläre Energiegewinnung in den Mitochondrien.
Hier wird Niacin über mehrere Zwischenschritte in NAD (Nicotinamid-Adenin-Dinukleotid) umgewandelt. Dieses Molekül wechselt ständig zwischen den Zuständen NAD+ und NADH und ist entscheidend für die Bildung von ATP – der chemischen Energieform des Körpers. NAD ist zudem an Hunderten weiterer Prozesse beteiligt.
Niacin findet sich in eiweißreichen Lebensmitteln wie Fleisch, Fisch, Eiern und Vollkornprodukten. Der Körper kann es auch aus B6 und Tryptophan herstellen.
Einige Menschen haben aufgrund genetischer Defekte Probleme bei der Umwandlung in NAD, was ihren Bedarf deutlich erhöht.
Die Nicotinsäureform, die schneller ins Blut gelangt, hat typischerweise eine bessere therapeutische Wirkung als Nicotinamid. In hohen Dosen kann Nicotinsäure jedoch die sogenannte „Niacin-Flush“-Reaktion auslösen – Rötung und Wärmegefühl, vor allem im Gesicht. Diese ist harmlos und verschwindet rasch.
Deshalb wird empfohlen, mit kleinen Dosen zu beginnen und diese langsam zu steigern. Kombipräparate mit Nicotinsäure und Nicotinamid (NAD-Booster) sind erhältlich, bei denen Nicotinsäure verzögert freigesetzt wird. In manchen Ländern sind auch NADH-Präparate erhältlich, die der Körper leichter verwerten kann.
Vitamin D wirkt in seiner aktiven Form wie ein Steroidhormon
Vitamin D ist fettlöslich und kommt in verschiedenen Formen vor. Durch UVB-Strahlung der Sonne wird in der Haut aus Cholesterin-Vorstufen Cholecalciferol (Vitamin D3) gebildet – die Form, die auch in tierischen Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln enthalten ist.
Diese Form ist jedoch inaktiv und muss in zwei Schritten umgewandelt werden: Zunächst in der Leber zu Calcidiol (25-Hydroxyvitamin D3), dem Wert, der im Blut gemessen wird. Bei Bedarf wird es in den Nieren, weißen Blutkörperchen und anderen Zellen in Calcitriol (1,25-Dihydroxyvitamin D3) umgewandelt – die aktive Steroidform, die an Vitamin-D-Rezeptoren in fast allen Körperzellen bindet.
Diese Umwandlung ist abhängig von Enzymen, die Magnesium benötigen. Auch Zink ist nötig, damit Calcitriol an Zellrezeptoren binden kann.
Ein Mangel an diesen Mineralstoffen, genetische Faktoren, dunkle Hautfarbe, Alter, Übergewicht, Diabetes sowie Leber- und Nierenerkrankungen können die Bildung oder Aktivierung von Vitamin D erschweren und den Bedarf erhöhen.
Ein Mangel an Vitamin D erhöht das Risiko für Müdigkeit, Infektionen, Autoimmunerkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Muskelschwäche, Osteoporose, Diabetes und Krebs.
Die Rolle von Vitamin K1 und K2 bei Blutgerinnung, Kreislauf und Knochen
Vitamin K1 (Phyllochinon) ist vor allem für die Blutgerinnung wichtig und kommt hauptsächlich in grünem Blattgemüse wie Kohl, Spinat, Petersilie und Bohnen vor.
Vitamin K2 (Menachinon) entsteht durch Fermentationsprozesse in Lebensmitteln wie Butter, Käse, Sauerkraut – sowie in Eigelb und fettreichem Fleisch von Wiederkäuern. Eine gesunde Darmflora kann Vitamin K1 auch in K2 umwandeln, jedoch meist in geringen Mengen.
K2 ist entscheidend für die Bildung des Matrix-Gla-Proteins (MGP), das Calcium aus dem Blut entfernt, sowie für Osteocalcin, das Calcium in die Knochen einlagert.
K2 und Vitamin D wirken dabei synergetisch zur Regulierung des Calciumstoffwechsels.
Ein Mangel an Vitamin K1/K2 kann durch eine schlechte Ernährung, eine gestörte Darmflora, Mängel an Vitamin D, Magnesium und Zink sowie durch Darmerkrankungen entstehen. Auch Medikamente wie Marcumar (Marevan), Protonenpumpenhemmer und Antibiotika stören die Aufnahme und Verwertung.
Ein K2-Mangel erhöht das Risiko für Arteriosklerose, Osteoporose, Entzündungen und schwere COVID-19-Verläufe.
Q10 für Energie und Zellschutz
Q10 ist ein Coenzym, das in zwei Formen vorkommt. Ubichinon, das für die Energiegewinnung in den Mitochondrien notwendig ist. Ubichinol, ein starkes Antioxidans, das Zellen und Cholesterin vor freien Radikalen schützt. Ein selenhaltiges Enzym (TXNRD) ist erforderlich, damit Q10 bei Bedarf zwischen diesen beiden Formen wechseln kann. Die körpereigene Produktion von Q10 nimmt ab dem 20. Lebensjahr kontinuierlich ab. Mit 80 Jahren enthält das Herz nur noch etwa die Hälfte des ursprünglichen Q10-Gehalts. Cholesterinsenker (Statine) und Alendronat (gegen Osteoporose) hemmen zusätzlich die Q10-Synthese. Das Problem wird durch den niedrigen Selengehalt der Böden in Europa verschärft. Studien zeigen jedoch, dass Nahrungsergänzungsmittel mit Selenhefe und hochwertigem Q10 die Energieproduktion, Herzgesundheit, Durchblutung, Hormonhaushalt, Krebsprävention, Lebensqualität und Lebenserwartung verbessern können. Eine kontrollierte Studie dazu wurde in BMC Medicine veröffentlicht.
Quellen:
Heather Yoshimura Ang-pc. The Role of B Vitamins in Methylation Process: Clinical Applications. RUPA HEALTH 2024
Andrius Bleizgys. Zinc, Magnesium and Vitamin K Supplementation in Vitamin D Deficiency: Pathophysiological Background and Implications for Clinical Practice. Nutrients 2024
Urban Alehagen et al. Supplementation with selenium and Q10 in an elderly Swedish population low in selenium – positive effects on thyroid hormones, cardiovascular mortality, and quality of life. BMC Medicine 2024
Adrianna Budzinska et al. The bisphosphonates alendronate and zoledronate induce adaptations of aerobic metabolism in permanent human endothelial cells. Scientific Reports 2023.
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