Das Nervensystem benötigt mehr Vitamin B12
- besonders bei älteren Menschen
Wenn die Blutwerte von Vitamin B12 am unteren Ende des Referenzbereichs liegen, ist keineswegs sichergestellt, dass ausreichend Vitamin B12 für die DNA-Synthese, die Bildung roter Blutkörperchen und die Erhaltung des Nervengewebes vorhanden ist. Die offiziellen Referenzwerte können sich insbesondere für ältere Menschen als problematisch erweisen. Einer US-amerikanischen Studie zufolge besteht bei ihnen ein erhöhtes Risiko für kognitiven Abbau und Demenz.
Die neue Studie wurde von Forschern der University of California, San Francisco, durchgeführt. Es zeigte sich, dass eine Gruppe gesunder älterer Probanden mit Vitamin-B12-Spiegeln am unteren Ende des Normalbereichs Anzeichen neurologischer und kognitiver Beeinträchtigungen aufwies. Die relativ niedrigen Blutwerte standen im Zusammenhang mit stärkeren Schädigungen der weißen Substanz des Gehirns. Mit anderen Worten: Es kam zu ausgeprägteren Schädigungen der myelinisierten Nervenfasern, die für die umfassende Kommunikation zwischen Nervenzellen und Hirnarealen verantwortlich sind. Diese Probanden erzielten zudem schlechtere Ergebnisse in kognitiven Tests als jene mit höheren Vitamin-B12-Blutspiegeln. Die Studie erschien in Annals of Neurology. Laut den Autoren legen die Ergebnisse nahe, die Definition optimaler Vitamin-B12-Spiegel im Blut zu überdenken.
Die Studie umfasste 241 gesunde Teilnehmer ohne Anzeichen von Demenz oder kognitivem Abbau. Sie wurden im Rahmen der Studie Brain Aging Network for Cognitive Health rekrutiert und hatten ein Durchschnittsalter von 71 Jahren. Der mittlere Vitamin-B12-Blutspiegel betrug 414,8 pmol/L – deutlich oberhalb des unteren Referenzwerts von 148 pmol/L. Nach Bereinigung von Störfaktoren wie Alter, Geschlecht, Bildung und kardiovaskulären Risiken untersuchten die Forscher den Spiegel der aktiven methylisierten Form von Vitamin B12, da dieser eine bessere Aussage über die tatsächliche Verwertbarkeit im Körper liefert.
In den kognitiven Tests zeigten Teilnehmer mit niedrigen B12-Werten langsamere Reaktionszeiten, ein Frühindikator für kognitiven Abbau. Dieser Trend verstärkte sich mit zunehmendem Alter. Zudem reagierten sie langsamer auf visuelle Reize, was auf eine beeinträchtigte Nervenleitung hinweist. MRT-Untersuchungen belegten außerdem, dass diese Probanden mehr Läsionen in der weißen Substanz aufwiesen – ein möglicher Risikofaktor für kognitiven Abbau, Demenz oder Schlaganfall.
Den Forschern zufolge sind ältere Menschen offenbar besonders anfällig für Vitamin-B12-Mangel, und die aktuelle untere Referenzgrenze könnte zu niedrig angesetzt sein. Dies könnte schwerwiegendere Folgen für die Allgemeinbevölkerung haben als bislang angenommen. Der tatsächliche Bedarf an Vitamin B12 sollte daher neu bewertet werden. Gesundheitsbehörden könnten in Erwägung ziehen, älteren Patienten mit neurologischen Problemen Vitamin-B12-Präparate zu empfehlen – auch dann, wenn ihre Werte noch im „Normalbereich“ liegen. Weitere Forschung ist erforderlich, da ausreichend hohe Spiegel von aktivem Vitamin B12 zum Schutz vor kognitivem Abbau beitragen.
Quellen von Vitamin B12, notwendige Aktivierung und relevante Supplemente
Vitamin B12 (Cobalamin) kommt ausschließlich in tierischen Lebensmitteln vor, darunter Fleisch, Fisch, Eier und Milchprodukte. Für die Aufnahme sind ausreichend Magensäure und ein Transportprotein namens Intrinsic Factor erforderlich.
Lebensmittel enthalten Hydroxocobalamin, die meisten Nahrungsergänzungsmittel dagegen Cyanocobalamin, das stabiler ist. Beide Formen müssen durch Methylierung in Methylcobalamin (die Form im Blut) und 5′-Desoxyadenosylcobalamin (gespeichert in der Leber) umgewandelt werden. Alterung, Alkoholmissbrauch und Leberschäden können die Fähigkeit zur Methylierung jedoch beeinträchtigen. Auch säurehemmende Medikamente, Methotrexat (gegen rheumatoide Arthritis) und Metformin (bei Typ-2-Diabetes) können die Aufnahme oder Verwertung von Vitamin B12 verschlechtern.
Eine eingeschränkte Aufnahme- oder Methylierungsfähigkeit führt automatisch zu einem erhöhten Bedarf. Vitamin-B12-Präparate sind auch als Lutschtabletten mit Methylcobalamin erhältlich, die über die Mundschleimhaut besonders gut aufgenommen werden.
- Ein Vitamin-B12-Mangel kann neurologische Schäden und Anämie verursachen
- Neurologische Schädigungen können auch ohne Anämie auftreten
- Solche Erkrankungen werden häufig übersehen, was zu Fehldiagnosen, Fehlbehandlungen und irreversiblen Schäden führen kann
- Ältere Menschen und andere Risikogruppen haben oft einen erhöhten Bedarf
Quellen:
Alexandra Beaudry-Richard et al. Vitamin B12 levels Association with Functional and Structural Biomarkers of Central Nervous System Injury in Older Adults. Annals of Neurology, 2025
University of California. ‘Healthy’ vitamin B12 levels not enough to ward off neuro decline. ScienceDaily, 2025
Heather Yoshimura Ang-pc. The Role of B Vitamins in Methylation Process: Clinical Applications. RUPA HEALTH, 2024
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