Vitamine- und Mineralstoffe Ratgeber

Selen (Se)

Selen (Se)Selen ist ein Spurenelement, das in allen Zellen des Körpers vorkommt. Der Körper eines Erwachsenen enthält etwa 10-15 mg Selen. Die höchste Selenkonzentration findet sich in der Leber, den Nieren, der Schilddrüse, den Keimdrüsen (Gonaden) und den Samenzellen. Selen unterstützt über 30 verschiedene Selenoproteine, die unterschiedliche Aufgaben erfüllen. Zu ihnen zählen fünf als Antioxidanzien fungierende Glutathionperoxidasen (GSH-Px) und drei stoffwechselregulierende Dejodasen. Von allen Mineralstoffen verfügt Selen über das höchste antioxidative Potenzial. Es arbeitet eng mit Vitamin E zusammen, um Zellmembranen, Lipide und DNA vor oxidativen Schäden zu schützen. Selen und Schwefel sind chemisch gesehen sehr ähnlich, Schwefel ist jedoch kein Antioxidans und erfüllt andere Funktionen im Körper als Schwefel.

Funktionen und Bedeutung

  • Immunabwehr (insbesondere von Viren)
  • Herz-Kreislauf-System
  • Stoffwechsel - Produktion des aktiven T3-Hormons (Triiodthyronin)
  • Antioxidans, das vor Zellschäden durch freie Radikale schützt
  • Normale, gesunde Samenzellen
  • Haare und Nägel
  • Fördert den Abbau der Abfallprodukte der Zellen (Wasserstoffperoxid)
  • Entzündungshemmung
  • Wirkt möglicherweise gegen Krebs
  • Kann vor Schwermetallen schützen, indem es sie in nicht lösliche Verbindungen umwandelt

Ursachen für Mangel und schlechte Verwertung

  • Selenarme Ernährung
  • Vitamin-E-Mangel
  • Vergiftungen
  • Rauchen
  • Infektionen
  • Zu wenig Magensäure

Mangelerscheinungen

Bei einer Zufuhr von 10 Mikrogramm oder weniger kann eine der beiden folgenden seltenen Mangelerkrankungen oder beide zusammen auftreten:

  • Keshan-Krankheit - eine tödliche Herzkrankheit, die durch eine Kombination aus schwerem Selenmangel und einer Virusinfektion entsteht (mutiertes Coxsackie-Virus). Die Krankheit ist nach der gleichnamigen Gegend in China benannt und konnte durch die Gabe von Selen ausgerottet werden.
  • Kaschin-Beck-Krankheit - führt zu Deformierungen der Gelenke und Knochen. Tritt häufig in Verbindung mit Jodmangel auf.

Neue Studien deuten sogar darauf hin, dass Selenmangel zu Folgendem führen kann:

  • Schlechte Spermienqualität
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Entzündungen (rheumatoide Arthritis, Asthma)
  • Grauer Star
  • Erhöhtes Infektionsrisiko (vor allem durch Viren)
  • Erhöhtes Krebsrisiko

Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Schwedische Kardiologen haben eine Studie veröffentlicht, in der sie nachweisen konnten, dass eine tägliche Nahrungsergänzung mit 200 Mikrogramm Selenhefe in Kombination mit 200 Milligramm Coenzym Q10 die Sterberate im Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei älteren Männern und Frauen um 54 % senkte (im Vergleich zur Kontrollgruppe, die nur Placebos erhielt).
Krebs

Seit Jahrzehnten geht man nun schon davon aus, dass ein leichter Selenmangel die Entstehung verschiedener Krebsarten begünstigt. Dennoch ist die Diskussion um die tägliche Verzehrsempfehlung noch nicht abgeschlossen. Der amerikanische Forscher Larry C. Clark konnte in einer groß angelegten Studie zeigen, dass eine Nahrungsergänzung mit 200 Mikrogramm Selenhefe das Krebsrisiko um 37 % und die Krebssterblichkeit sogar um ganze 50 % senken konnte.
Dem Bericht einer Forschungsgruppe der Technischen Universität Dänemark (DTU) zufolge kann eine tägliche Zufuhr von 200 Mikrogramm Selen das Prostatakrebsrisiko vermindern.

Es wird angenommen, dass Selen auf verschiedene Weisen krebsvorbeugend wirken kann. In den meisten Studien, die diese Wirkung nachweisen, wurde Selenhefe verwendet.

Landwirtschaft

Landwirte wissen seit Langem, dass eine unzureichende Selenversorgung die Fruchtbarkeit ihrer Tiere (Rinder, Schweine und Hühner) beeinträchtigt und zu vielen Fehlgeburten führt. Außerdem treten Gelenkentzündungen, Muskeldegeneration und Leberschäden auf. Um diese Probleme zu vermeiden, füttern die Landwirte ihren Tieren Selen zu. In Finnland ist die Zugabe von Selen zu Düngemitteln gesetzlich vorgeschrieben, um die Selenaufnahme/-zufuhr in der gesamten Nahrungskette zu erhöhen.

Quellen

Hauptsächlich Lebensmittel aus dem Meer wie Fisch und Schalentiere, Leber und andere Innereien, Fleisch, Eier, Paranüsse, Bohnen und Brokkoli. Kleinere Mengen Selen finden sich in Milchprodukten, Nüssen, Vollkorn, Knoblauch, Obst und Gemüse. Der Selengehalt von Getreide ist abhängig vom Standort.

Selengehalt in Mikrogramm je 100 Gramm

Paranüsse 103
Thunfisch 70
Eier 22
Kalbsleber 12
Avocado 7

Empfohlene Tagesdosis (NRV)

Der tatsächliche Selenbedarf wurde nicht bestimmt.

Erwachsene: 11 Jahre und älter: 60 Mikrogramm

Kinder bis 10 Jahre: 30 Mikrogramm

Anorganisches und organisches Selen

Das im Boden enthaltene Selen ist anorganisch, wird aber von den Pflanzen aufgenommen und in organische Selenverbindungen umgewandelt. Selen aus pflanzlichen und tierischen Quellen ist organisch und kann auch an Aminosäuren wie Methionin und Cystein gebunden sein.
Das in Nahrungsergänzungsmitteln enthaltene Selen kann entweder anorganisch oder organisch sein. Organische Selenverbindungen werden besser aufgenommen und in die selenabhängigen Enzyme und Selenoproteine integriert.

Selen (organisch): Selenhefe, Selenomethionin und Selen-Aminosäurechelat.

Selen (anorganisch): Natriumselenit, Natriumselenat.

Vitamin C hemmt die Aufnahme von anorganischem Selen, daher sind Multivitaminpräparate und Vitamin-C-haltige Präparate mit anorganischem Selen (Natriumselenit) sehr wahrscheinlich unwirksam.

In Forschungsstudien kommt hauptsächlich Selenhefe zum Einsatz, da diese eine ausgezeichnete Bioverfügbarkeit aufweist.

Erhöhter Bedarf

  • Bei geringem Verzehr selenhaltiger Lebensmittel
  • Bei den oben aufgeführten Mangelerscheinungen

Überdosierung - Nebenwirkungen

Selen gilt bei einer täglichen Zufuhr von bis zu 300 Mikrogramm als sicher. Leichte Anzeichen einer Überdosierung werden bei einer Menge von etwa 1.000 Mikrogramm täglich beobachtet, insbesondere, wenn diese in Form von Nahrungsergänzungsmitteln zugeführt werden. Die Symptome sind meist leicht und treten nur vorübergehend auf.

  • Kopfschmerzen, Schwindel, Bauchschmerzen, Verstopfung und Übelkeit
  • Hautausschlag, Schwindel, brüchiges Haar und Nagelverformungen (selten)

Überschüssiges Selen wird mit dem Urin ausgeschieden. Bei schweren Nierenerkrankungen sollten Selenpräparate daher nur mit Vorsicht eingenommen werden.
Bei einer Selenüberversorgung (Vergiftung) wird der Nährstoff über die Lunge ausgeschieden. Dies führt dazu, dass der Atem nach Knoblauch riecht.

Wichtige Information

Aufgrund der Beschaffenheit der Böden und der Ernährungsgewohnheiten ist die natürliche Selenzufuhr in Europa deutlich niedriger als in anderen Ländern. In den Vereinigten Staaten (insbesondere im nördlichen Teil) liegt die natürliche Selenzufuhr im Durchschnitt bei 60 bis 220 Mikrogramm pro Tag. In Dänemark nehmen Frauen durchschnittlich 38 Mikrogramm täglich zu sich, Männer hingegen 48 Mikrogramm. Schätzungen zufolge erhalten rund 20 % der Dänen weniger als die empfohlenen 55 Mikrogramm Selen täglich. Selen ist ein leistungsstarkes Antioxidans. Selenpräparate sollten in Kombination mit Vitamin E und anderen Antioxidanzien eingenommen werden.