Folsäure senkt das Risiko für die Geburt eines autistischen Kindes aufgrund einer Pestizidbelastung

Folsäure senkt das Risiko für die Geburt eines autistischen Kindes aufgrund einer PestizidbelastungDie Zahl der Kinder, bei denen Autismus diagnostiziert wurde, ist in den letzten Jahrzehnten stetig gewachsen. Eine Reihe von Faktoren kann Ursache der Erkrankung sein. Nun haben Wissenschaftler der University of California und anderen Einrichtungen der Vereinigten Staaten herausgefunden, dass schwangere Frauen, die die empfohlene Tagesdosis für Folsäure einnehmen oder die Einnahmemenge zum Zeitpunkt der Empfängnis erhöhen, ein niedrigeres Risiko für die Geburt eines autistischen Kindes aufgrund einer Belastung durch Pestizide haben.

Es ist allgemein bekannt, dass Nahrungsergänzungsmittel mit Folsäure (Vitamin B) wichtig für die physiologische Entwicklung des ungeborenen Kindes in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten sind. Nun zeigt eine Studie, dass die Einnahme einer größeren Menge Folsäure sogar zu der physiologischen Entwicklung des Kindes beiträgt, und dass das Risiko für eine Erkrankung an Autismus aufgrund einer Belastung durch Pestizide gesenkt werden kann.

Autismus kennzeichnet sich durch eine ungewöhnliche und oft verzögerte Entwicklung der lingualen Fähigkeiten, der Kommunikation und des sozialen Verhaltens. Menschen mit Autismus können überempfindlich auf Sinneseindrücke reagieren, Phobien und Wutanfälle haben und ein selbstverletzendes Verhalten zeigen.

In der Studie hatten Kinder, deren Mütter täglich mindestens 800 µg Folsäure eingenommen hatten, ein wesentlich niedrigeres Risiko, an Autismus zu erkranken – selbst wenn die Mütter einer Belastung durch Pestizide in Lebensmitteln oder aus der Landwirtschaft ausgesetzt waren. Die Studie wurde 2017 in der Fachzeitschrift Environmental Health Perspectives veröffentlicht. Frauen in gebärfähigem Alter wird die tägliche Einnahme von 400 µg Folsäure empfohlen, mit der unmittelbar vor der Empfängnis begonnen und die mindestens während der ersten drei Schwangerschaftsmonate fortgeführt werden sollte. Die Studie zeigt, dass größere Mengen Folsäure erforderlich sind, um das Risiko für Autismus deutlich zu senken.

Schwangere sollten Pestizide vermeiden

Laut Rebecca J. Schmidt, Professorin im Department of Public Health Sciences und Leiterin der Studie, sollten schwangere Frauen und solche, die eine Schwangerschaft planen, versuchen, Pestizide bestmöglich zu vermeiden. Es empfiehlt sich, Lebensmittel aus biologischem Anbau zu kaufen. Für diejenigen, die in ländlichen Regionen leben und durch die Schädlingsbekämpfung in der Landwirtschaft dem Risiko von in der Luft befindlichen Pestiziden ausgesetzt sind, ist es ratsam, zusätzlich Folsäure einzunehmen, um die schädliche Wirkung dieser Chemikalien einzuschränken. Außerdem sollte man Fenster und Türen geschlossen halten, wenn Landwirte in der Umgebung Schädlingsbekämpfungsmittel anwenden. Darüber hinaus wird empfohlen, eine Belastung durch Pestizide wie Roundup zu vermeiden, das üblicherweise in Kiefernwäldern, Parks, Gärten und Auffahrten eingesetzt wird.

Je höher die Pestizidbelastung vor und während der Schwangerschaft, desto größer das Risiko

Die Wissenschaftler verwendeten Daten der CHARGE-Studie und untersuchten genetische und umweltbedingte Faktoren, die dafür bekannt sind, das Risiko für Autismus zu beeinflussen. An der Studie nahmen 296 Kinder im Alter von 2-5 Jahren teil, bei denen Autismus diagnostiziert worden war, sowie 220 Kinder, die sich normal entwickelt hatten. Die Mütter wurden zur Pestizidbelastung in ihrem Haushalt während der Schwangerschaft und zu ihrer Einnahme von Folsäure und anderen B-Vitaminen befragt. Die Forscher stellten auch einen Zusammenhang mit anderen Berichten über die Verwendung von Pestiziden in der Landwirtschaft her, die Aufschluss über die Belastung in unmittelbarer Nähe der Wohnorte der Mütter gaben.
Es stellte sich heraus, dass Kinder von Müttern, die täglich weniger als 800 µg Folsäure eingenommen hatten und im Haushalt Pestiziden ausgesetzt waren, eine wesentlich höhere Wahrscheinlichkeit dafür hatten, an Autismus zu erkranken, als die Kinder der Mütter, die 800 µg Folsäure eingenommen hatten, aber ebenfalls Pestiziden ausgesetzt waren. Weiterhin hatten Mütter mit einer niedrigen Einnahme von Folsäure, die bereits drei Monate vor der Empfängnis und bis zu drei Monate danach eine Belastung durch Pestizide erfuhren, ein erhöhtes Risiko für die Geburt eines autistischen Kindes.
Eine unterdurchschnittliche Einnahme von Folsäure in Kombination mit einer Pestizidbelastung steht daher mit einem wesentlich höheren Risiko für die Geburt eines Kindes mit Autismus in Zusammenhang. Rebecca J. Schmidt zufolge haben Schwangere, die regelmäßig eine Belastung durch Pestizide erfahren, ein höheres Risiko, ein autistisches Kind zur Welt zu bringen.

Wie schützt Folsäure?

Zukünftig möchten Forscher die Mechanismen der Folsäure untersuchen, die vor Autismus schützen. Folsäure spielt bekanntermaßen eine entscheidende Rolle bei der DNA-Methylierung, einem Prozess, der Gene an- und ausschaltet. Darüber hinaus ist Folsäure für die Synthese und Reparatur der DNA wichtig. Beide Mechanismen sind besonders während der fötalen Entwicklung von Bedeutung, bei der eine rasche Zellteilung stattfindet. Durch eine erhöhte Einnahme von Folsäure ist es möglich, diese Mechanismen zu unterstützen. Theoretisch umfassen sie sogar die Reparatur der DNA, die durch Pestizide geschädigt wurde.

Planung einer Schwangerschaft – eine neue Sicht auf Folsäure

Schwangeren Frauen wird die tägliche Einnahme von 400 µg Folsäure empfohlen, da sie schon lange dafür bekannt ist, das Risiko für Neuralrohrdefekte, angeborene Herzfehler und Spina bifida (die mit schweren Behinderungen verbunden ist) bei Neugeborenen zu senken. Obwohl diese Erkrankungen nur selten auftreten, ist es wichtig, Folsäure einzunehmen, sobald Sie eine Schwangerschaft planen.
Der neuen Studie zufolge kann es auch hilfreich sein, Nahrungsergänzungsmittel mit Folsäure einzunehmen, um das Risiko für die Geburt eines Kindes mit Autismus zu senken. Zudem ist Folsäure auch für die werdende Mutter, ihren Energiehaushalt und ihr mentales Gleichgewicht von Bedeutung.

Andere Faktoren, die das Risiko für Autismus erhöhen

Obwohl die Einnahme größerer Mengen Folsäure in der Schwangerschaft das Risiko für Neugeborene senken kann, an Autismus zu erkranken, besteht keinerlei Garantie, da weitere Faktoren die psychische Gesundheit des Kindes beeinträchtigen können, wie beispielsweise:

  • andere Umweltgifte – einschließlich Schwermetallen und Chemikalien
  • genetische Faktoren
  • Elternschaft ab einem Alter von 35 Jahren
  • Komplikationen während der Schwangerschaft und Geburt
  • Überdiagnose (seit die Kriterien 1994 geändert wurden)
  • Vitamin D-Mangel (weit verbreitet)
  • Einnahme von Medikamenten, die den Vitamin D-Spiegel in der Schwangerschaft beeinträchtigen (wie Valproate gegen Epilepsie und Krampfanfälle)

Quellen:

Rebecca J. Schmidt et al. Combines Prenatal Pesticide Exposure and Folic Acid Intake in Relation to Autism Spectrum Disorder. Environmental Health Perspectives. 2017
https://ehp.niehs.nih.gov/ehp604/

Folic Acid may mitigate autism risk from pesticides
https://medicalxpress.com/news/2017-09-folic-acid-mitigate-autism-pesticides.html

Nutrition insight. Taking Folic Acid Throughout Pregnancy May Increase Children´s Emotional Intelligence. 12 May 2017
http://www.nutritioninsight.com/news/taking-folic-acid-throughout-pregnancy-may-increase-childrens-emotional-intelligence.html

Khaled Sall et al. Randomized controlled trial and vitamin D supplementation in children with autism spectrum disorder. Journal of Child Psychology and Psychiatry. 2016

John J Cannell. Autism Causes, Prevention and Treatment: Vitamin D Deficiency and the Explosive Rise in Autism Spectrum Disorder. Sunrise River Press. 2015