Optimale D‑Vitamin-Dosen halbieren das Risiko wiederkehrender Herzinfarkte
Ein Mangel an Vitamin D ist weit verbreitet, und die aktuellen Empfehlungen der Gesundheitsbehörden sind für die Herz-Kreislauf-Gesundheit zu niedrig. Eine neue US-amerikanische Studie von Intermountain Healthcare in Salt Lake City zeigt, dass hoch dosierte Vitamin‑D‑Präparate, die ausreichen, um die Blutwerte zu optimieren, das Risiko eines erneuten Herzinfarkts bei Patienten, die bereits einen Herzinfarkt erlitten haben, halbieren können. Laut den Forschern sollten bei Herzpatienten die Vitamin‑D‑Werte gemessen und durch geeignete Nahrungsergänzung angepasst werden. Dennoch wird diesem Bereich weiterhin zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt, wodurch viele Menschenleben verloren gehen.
Ein Herzinfarkt entsteht typischerweise durch ein Blutgerinnsel in einer Herzkranzarterie, häufig verursacht durch Arteriosklerose, die den Blutfluss zum Herzen blockiert. Selbst leichte Herzinfarkte können den Herzmuskel schädigen und möglicherweise zu chronischer Herzinsuffizienz führen. Obwohl sich die Behandlungsmethoden verbessert haben, besteht weiterhin ein Risiko für erneute Herzinfarkte, und je nach Schweregrad sterben 20–50 % der Patienten mit Herzinsuffizienz innerhalb des ersten Jahres nach der Diagnose.
Da Ernährung und Lebensstil eine entscheidende Rolle für die Herz-Kreislauf-Gesundheit sowie das Risiko von Herzinfarkten und Rückfällen spielen, wollten die Forscher die Rolle von Vitamin D untersuchen – insbesondere angesichts der weit verbreiteten Mangelzustände und der anhaltenden Diskussion über den tatsächlichen Bedarf.
- Ein Vitamin‑D‑Mangel wird hauptsächlich verursacht durch unzureichende Sonneneinstrahlung im Sommer, fehlendes Sonnenlicht im Winter, Alterung, dunkle Haut, Übergewicht, Typ‑2‑Diabetes und andere chronische Erkrankungen.
Der entscheidende Unterschied zwischen standardisierter und gezielter Supplementierung
Die Forscher stellten fest, dass frühere Studien Herzpatienten nur niedrig dosierte Vitamin‑D‑Präparate verabreicht hatten. Diese Studien zeigten jedoch keine positiven Ergebnisse hinsichtlich der Verringerung von Herzerkrankungen. In der neuen Studie wurden zunächst die Vitamin‑D‑Blutwerte der Patienten gemessen. Anschließend erhielten die Patienten ausreichend hohe Dosen, um ihre Blutwerte zu optimieren. Die Werte wurden regelmäßig kontrolliert und die Dosierung im Verlauf angepasst.
Die Studie mit dem Namen TARGET‑D Trial umfasste 630 Patienten, die innerhalb des vorherigen Monats einen Herzinfarkt erlitten hatten. Die Studie lief von April 2017 bis Mai 2023, und die Teilnehmer wurden bis März 2025 nachbeobachtet, um Herz-Kreislauf-Ergebnisse und Überlebensraten zu bewerten.
Die Teilnehmer wurden in zwei Gruppen eingeteilt, wobei nur eine Gruppe Vitamin‑D‑Supplemente erhielt. Ziel war es, bei dieser Gruppe Vitamin‑D‑Blutwerte von über 100 nmol/L (≈40 ng/mL) zu erreichen – höher als der allgemein empfohlene optimale Wert von 75 nmol/L. Zu Beginn der Studie hatten 85 % der Teilnehmer Blutwerte unter 100 nmol/L, was auf einen weit verbreiteten Mangel im Zusammenhang mit der Herz-Kreislauf-Gesundheit hinweist.
Während der Studie erhielten die Teilnehmer der Behandlungsgruppe eine gezielte Vitamin‑D‑Therapie von bis zu 125 Mikrogramm pro Tag, was deutlich über der offiziellen empfohlenen Zufuhr von 10–20 Mikrogramm liegt.
Die Blutwerte wurden regelmäßig überwacht und angepasst, bis der gewünschte Zielwert von >100 nmol/L erreicht war. Danach wurde die Supplementierung mit einer Erhaltungsdosis fortgesetzt.
Während der gesamten Studie verfolgten die Forscher erneute Herzinfarkte, Schlaganfälle, Herzinsuffizienz, Krankenhausaufenthalte und Todesfälle. Von den 630 Teilnehmern erlitten 107 solche Ereignisse. Besonders wichtig war, dass das Risiko eines erneuten Herzinfarkts in der Gruppe mit gezielter Vitamin‑D‑Supplementierung um 50 % niedriger war.
Keiner der Teilnehmer erlitt Nebenwirkungen durch die hoch dosierte Vitamin‑D‑Therapie. Die Forscher kommen zu dem Schluss, dass diese Ergebnisse – obwohl weitere Studien erforderlich sind – sehr vielversprechend sind. Herzpatienten sollten zumindest ihre Vitamin‑D‑Werte messen lassen, damit mögliche Mängel durch eine geeignete, gezielte Supplementierung ausgeglichen werden können.
Die Ergebnisse der Studie wurden am 9. November 2025 auf den Scientific Sessions der American Heart Association in New Orleans vorgestellt.
Wie Vitamin D helfen kann, Herzinfarkte zu verhindern
Die meisten Körperzellen besitzen Vitamin‑D‑Rezeptoren, darunter auch Zellen, die für die Herz-Kreislauf-Gesundheit wichtig sind. Laut einer früheren Übersichtsarbeit, die in Clinical Nutrition veröffentlicht wurde, besitzt Vitamin D mehrere Mechanismen, die vor Herzinfarkten und anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen können:
- Es stärkt das Immunsystem und hilft dadurch zu verhindern, dass Bakterien im Blutkreislauf Blutgerinnsel verursachen
- Es reguliert Entzündungen, die andernfalls oxidativen Stress und Arteriosklerose auslösen können.
- Es reduziert die Steifheit der Arterien und senkt dadurch das Risiko für Bluthochdruck und Blutgerinnsel.
- Es reguliert Blutzucker- und Insulinspiegel.
- Es hilft, das metabolische Syndrom und Typ‑2‑Diabetes zu verhindern – Erkrankungen, die mit Arteriosklerose und Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden sind.
Quellen
Intermountain Healthcare. „Vitamin D3 breakthrough halves risk of second heart attack.“ ScienceDaily, 10. November 2025.
Fernando de la Guia-Galipienso et al. „Vitamin D and cardiovascular health.“ Clinical Nutrition, 2021.
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